Werkzeuge und Materialien

Werkzeuge – Die buchstäbliche Überspannung

Ein Gebäude mit so unterschiedlichen Gewerken wie Stahlbetonfundamenten, Holztragwerken und Lehmwänden in nur fünf Wochen zu bauen, setzt nicht nur eine exakte Planung und große Einsatzbereitschaft voraus, sondern auch ein gutes Set an Werkzeugen und Maschinen. Was für die einzelnen Arbeiten benötigt wurde, stellten die einzelnen Planungsgruppen in einer Liste zusammen, die von einem Team Studierender koordiniert wurde (z. B. 20 Akku-Schrauber, 10 Spaten). Aus dieser Wunschliste wurde das wirklich Essenzielle herauskristallisiert (6 Akku-Schrauber, 3 Spaten). Firmen wurden erfolgreich um Unterstützung gebeten und einige Werkzeuge vor Ort dazugekauft. Es konnte auf einige Geräte zurückgegriffen werden, die sich durch die Kooperation mit der NGO CAMPO schon in Oaxaca fanden; sie waren entweder im Rahmen des letztjährigen Projekts organisiert worden oder im Fundus der Organisation vorhanden, wie Betonmischer oder Erdbohrer. Das örtliche Stromnetz besitzt eine Spannung von 110 V. Für die aus Deutschland mitgebrachten Maschinen musste also eine zweite Leitung mit 220 V gelegt werden, die leider in der Hektik der Baustelle öfter verwechselt wurde. Dieser buchstäblichen Überspannung fielen gegen Ende der Baustelle leider neben der ausgeliehenen Tischkreissäge noch ein Hobel und eine Oberfräse unseres Partners CAMPO zum Opfer, die natürlich ersetzt werden mussten. Der größte Luxus dieser Baustelle war die Lieferung von drei Fuhren Transportbeton. Diese ermöglichte die Erstellung der Fundamente innerhalb eines Tages.

Ursula Hartig

 

Massiv versus leicht

Die Frage nach der angemessenen Wahl der Materialienbezogen auf die Klimazone, demkulturellen Kontext, den Kosten, aber auch nach der Machbarkeit stellt sich jedes Mal aufs Neue. Für ein Zentrum für Ökologie gilt zusätzlich der Anspruch auf die Nachhaltigkeit vonBaumaterialien und -techniken. Aufgrund der knappen Zeit wurde eine Holzrahmentechnik gewählt; die Rahmen werden mit ungebrannten, im Dorf selbst hergestellten Lehmsteinen ausgefacht, angelehnt an die massiven traditionellen adobe-Bauten, eine Technik, die wegen zu langer Bauzeit ausschied. Auch eine moderne Version der bajareque-Technik (Lehmbewurf) wurde eingesetzt. Konstruktiver Holzbau ist im Oaxaca-Tal wenig verbreitet, da der Holzschutz, besonders gegen Termiten, erst in den Kinderschuhen steckt. Mit Borsalztränkung und konstruktiven Maßnahmen hoffen wir aber auf eine lange Lebensdauer der Gebäude. Zum konstruktiven Holzschutz gehören Stahlbetonsockel und Stahl-Stützenfüße, die das Regenwasser von der Konstruktion und dem Lehm fernhalten, sowie große Dächer, die aus recycelten Tetra-Pak-Platten bestehen. Dieses Material ist wesentlich geeigneter als Wellblech oder die traditionellen Ziegel, da es leicht ist (wichtig im Erdbebenfall) und auch die Hitze besser abhält.

Ursula Hartig

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