Tag 24

25.02.2020

Ungebrannte Lehmziegel 

Lehm war in fast allen heiß-trockenen und gemäßigten Klimazonen der Erde das vorherrschende Baumaterial. Noch heute lebt etwa ein Drittel der Menschheit in Lehmhäusern. Auch in Quiané kann man noch einige Häuser sehen, die aus ungebrannten Lehmziegeln, sogenannten adobes auf Deutsch würde man „Grünlinge“ sagen gebaut sind. Leider wird diese Art zu bauen immer mehr durch Baustoffe aus industrieller Fertigung, wie zum Beispiel Ziegel, Beton oder Stahl, ersetzt. Wegen der positiven Eigenschaften von Lehm und weil die adobes vor Ort günstig und aus lokal verfügbaren Materialien hergestellt werden können, haben wir uns dazu entschieden, einen Teil der Küche aus ungebrannten Lehmsteinen zu mauern. Die Herstellung wurde bei einem „Maestro“ in Auftrag gegeben, der die Steine nur einige Häuser von der Baustelle entfernt manuell anfertigte. Zur Herstellung benötigt man eine rechteckige Form, die man mit wenigen Handgriffen selbst bauen kann, sowie die richtige Lehmmischung. Der aus dem Boden gewonnene Lehm wird dabei in einem bestimmten Verhältnis mit Sand, Wasser und oft einem faserigen Material in Quiané zum Beispiel gehäckselte Piniennadeln oder Maisblätter vermischt. Die Form wird meist direkt auf dem Boden befüllt und gleich wieder abgezogen. Ist die Lehmmischung breiig, wird sie geschüttet, ist sie von fester Konsistenz, werden „Patzen“ eingeworfen. Nachdem die Lehmsteine etwas angetrocknet sind, werden sie gedreht, um ungleichmäßiges Austrocknen zu verhindern. Die Tatsache, dass die Steine schrumpfen können, ist bei der Planung und Herstellung der Form zu berücksichtigen. Für das Mauern schließlich wird der Lehmmörtel in der Regel etwas feuchter hergestellt, weil die Lehmziegel dem Mörtel schnell die Feuchtigkeit entziehen. 

Andreas Sedlmeir  

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