Aula

Die Umplanung der Box

Die sogenannte Box ist ein Stauraum für Instrumente und zugleich Umkleideraum für die Tänzer, die die Aula nutzen. Sie ist der einzige geschlossene Raum der Aula und sollte – so die Anforderung – schön, einbruchsicher und einfach zu bauen sein. Im hinteren Drittel des Gebäudes positioniert, ist die Box durch ihre Massivität nicht nur die konzeptionelle Verankerung des leicht auskragenden Daches, sondern auch sein Auflager.  Entworfen wurde ein Holzrahmenbau aus vier Elementen. Eine auf dem Sockel montierte Schwelle und ein dreilagiger Ringbalken sollten die vom Dach wirkenden Kräfte verteilen und die einzelnen Rahmenelemente miteinander verbinden. Sperrholzplatten sollten die Funktion der Aussteifung und der Unterkonstruktion der bahareque-Wand (Lehmbewurf) im Äußeren übernehmen und als abgehängte Decke das Innere der Box gegen ungewolltes Eindringen schützen. Auf der Baustelle stellte sich heraus, dass die Box so nicht umgesetzt werden konnte. Die Sockel waren nicht exakt betoniert worden, die Türausschnitte zu klein, die Betonanker (Edelstahlschrauben), die aus Italien kommen sollten, waren noch nicht da. Lieferschwierigkeiten gab es auch im Hinblick auf Sperrholzplatten, die für die abgehängte Decke vorgesehen waren. Kreativität war gefragt! Die Rahmenelemente wurden angepasst und Gewindestangen als Betonankerersatz in den Sockel einzementiert. Die Schwelle wurde durch eine weitere Lage verstärkt. Recycelte Schalungsbretter ersetzten das Sperrholz, die Sicherheit der Decke wurde durch eine Estrich-Bewehrungsmatte erreicht, an der die übrigen 400 charizo(Bambusstäbe) befestigt wurden. Diese Maßnahme zielte darauf, dem improvisiertenDrahtdach nicht die Anmutung eines Gefängnisses zu geben.

Kristina Franzl

 

Tragwerk der Aula

Das Dachtragwerk der großen Aula besteht aus sechs Doppelbindern und ist eine reine Holzkonstruktion. Es wurde so geplant und gefertigt, dass man die Einzelteile am Boden vorbereiten und sie dann zur Montage hoch oben nur noch zusammensetzen musste. Trotzdem war das Richten eine große Herausforderung. Sechs große V-Stützen halten die Konstruktion an der Vorderseite, im hinteren Bereich liegen sie dagegen auf einem Holzrahmenbau auf, in dem die Lagerräume untergebracht sind. Da die beiden äußeren Binder wesentlich mehr Last abtragen müssen als die vier in der Mitte, gibt es zwei unterschiedliche Bindertypen. Die äußeren wurden als Fachwerkbinder ausgebaut, wohingegen die mittig liegenden Träger keinen Untergurt besitzen. Dadurch ließ sich in der Halle eine großzügige Raumhöhe erreichen. Jedoch handelt es sich bei allen um zusammengesetzte Elemente, also keine Vollholzbalken von 15 auf 15 cm, sondern je 3 Balken mit 5 auf 15 cm, welche dann den Gesamtquerschnitt ergeben. Um mögliche Knickpunkte in den Bindern zu vermeiden, wurden sie an den kritischen Stellen durch die Montage von Stahlblechen unterstützt. Für die Stabilität im Dach sorgen Auskreuzungen ausFlachstahl. Auch an den Seiten angebracht, sorgen sie dafür, dass sich das Gebäude weder verdrehen, verschieben noch kippen kann – was in einer Erdbebenregion von besonders großer Wichtigkeit ist.

Elisa Neubauer

 

Bahareque

Mit Lehm verfüllte Wandkonstruktionen aus horizontal und vertikal sich kreuzenden oder verflochtenen Rundhölzern, Latten oder Ästen sind in Lateinamerika weitverbreitet und vermutlich älter als der Lehmsteinbau. Siewerden bahareque, bajareque oder quincha genannt, im Deutschen spricht man von Lehmbewurf.  Die Lehmverfülltechnik, die beim Projekt in Quiané angewandt wurde, ist eine abgewandelte Variante der traditionellen Weise und ist wegen ihrer Einfachheit und ihres geringen Aufwands an Geräten und Arbeitszeit schnell und leicht erlernbar. Auf einer Unterkonstruktion aus recycelten Schalungsbrettern und einer Unterlattung wurden im Abstand von etwa 10 cm von Blättern befreite Schilfrohre, sogenannte carrizo, horizontal befestigt. Diese wurden zuerst mit einem sandigen Lehm sowie reichlich Wasser und Piniennadeln so verfüllt, dass die Bambusstangen gerade so nicht mehr sichtbar waren; dann wurde eine etwa 2–3 cm dicke Schicht Lehmunterputz aufgetragen. Nach einigen Tagen Trocknungszeit wurde dann mit Kellen und Schwämmen ein Feinputz aufgetragen, der für die nötige Wetterfestigkeit sorgt. Der große Dachüberstand schützt die Wand vor dem Auswaschen, sie kann aber auch zusätzlich mit einem Sud aus den Blättern des Feigenkaktus (nopal) bestrichen werden.

Andreas Sedlmeir

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